Fred und Carlotta - 14. Kapitel

Wir leben Schule - bunt und vielfältig


14. Kapitel

Oma Friedas verwilderter Garten

Oma Frieda hatte hinter ihrem Haus einen Garten, wie ihn sich Kinder nur wünschen konnten. Anders als in den meisten Gärten war dieser nicht schön säuberlich geharkt oder bepflanzt, nein, bei Oma Frieda konnten die Pflanzen wachsen wie sie wollten. Zugegeben, es war eher aus der Not heraus dazu gekommen, denn der Oma war es immer schwerer geworden den Garten zu pflegen und sie hatte auch keinen Menschen, der ihr dabei geholfen hätte. Freds Papa wäre sicher dazu bereit gewesen, wenn die Oma ihn gefragt hätte. Aber der hatte gewöhnlich so viel zu tun, dass Oma Frieda ihn nicht auch noch mit ihren Wünschen belästigen wollte. Er half ihr ja schon immer bei notwendigen Reparaturen im Haus und erledigte ja nun auch regelmäßig ihre Einkäufe. So musste der Garten halt verwildern. Fred fand das gar nicht schlimm. Er liebte die geheimen Plätze in diesem Garten, die nur er kannte und an denen man sich so wunderbar verstecken konnte, wenn man vom vielen Toben mal eine Pause brauchte.    

Hinten in dem verwilderten Garten war ein kleiner Teich. Hier hatten sich die Pflanzen mit der Zeit die Uferböschung zurück erobert. Einer von Freds Lieblingsplätzen war drüben auf dem kleinen Holzsteg. Von hier aus konnte er wunderbar nach Fischen und anderen kleinen Tieren Ausschau halten.

Fred war es Leid zuhause zu hocken und nicht raus zu kommen. Da fiel ihm ein, dass Oma Frieda ihm erlaubt hatte, in ihrem Garten zu spielen. Das war die Lösung. „Papa, können wir nicht mal in Omas Garten gehen?“, fragte er den Papa. Und Papa war einverstanden. Fred zog sich seine Gummistiefel an und nahm einen Eimer und den alten, selbstgebauten Kescher mit. Papa hatte dafür ein altes Küchensieb an einem Bambusstab befestigt. So war das Ding ganz gut zu gebrauchen, wenn man an Oma Friedas Teich Entdeckungen machen wollte.  

Die Sonne hatte an diesem Frühlingsmorgen schon mehr Kraft als in den vergangenen Tagen. Fred und sein Papa liefen den kleinen Trampelpfad entlang, der in den hinteren Teil des Gartens führte. Das letzte Stück bis zum Teich war ganz schön zugewuchert. Sie mussten über einen umgefallenen Baumstamm klettern und sich einen Weg durch das Gestrüpp bahnen, um bis zu dem Teich vorzudringen. Der Steg lag im schönsten Sonnenschein vor ihnen. Fred kniete sich am Ende des Stegs auf die Bretter und schaute vorsichtig über den Rand auf die Wasseroberfläche hinab. Papa ging in die Hocke und blickte ebenfalls schweigend auf das Wasser, um zu sehen, ob sich da irgendetwas entdecken ließe. Fred verhielt sich mucksmäuschenstill. Papa hatte ihm erklärt, dass ein Angler eine ganze Weile stillsitzen können muss, wenn er erfolgreich sein will. Und irgendwie gelang Fred dieses Stillsitzen am Teich ganz gut. Komisch, dass ihm das in der Schule einfach nicht gelingen wollte. Die Zeit verstrich. Da entdeckte Fred einen Schwarm zappelnder Kaulquappen, die sich in Ufernähe aufhielten und wild zappelnd an einer Wasserpflanze herumnagten. „Ich fange mir ein paar“, flüsterte Fred seinem Papa zu. „Du musst aber erst Wasser in deinen Eimer tun“, erklärte Papa leise. „An Land können sie nicht überleben. Die atmen in den ersten Tagen noch durch ihre Kiemen, bevor sich die Lungen für ihr späteres Leben als Frosch an Land ausbilden. Sie brauchen das Wasser, um nicht zu vertrocknen.“ Fred befolgte, was Papa gesagt hatte und fing einen ganzen Schwarm, den er schnell in den Eimer mit Wasser gleiten ließ. Hier konnte er diese zappelnden kleinen Tiere in Ruhe genauer beobachten. Sie sahen lustig aus mit ihrem ovalen Körper und dem langen Schwänzchen, das ununterbrochen zu zappeln schien. „Wir sollten sie jetzt wieder ins Wasser setzen“, schlug Papa nach einer Weile vor. „Sie müssen jetzt viel fressen, damit sie gut wachsen können“, wusste Papa. „Was fressen Kaulquappen denn?“, fragte Fred neugierig. „Kaulquappen fressen vor allem Pflanzenteile“, sagte Papa. „Und wann werden die Kaulquappen zu Fröschen?“, fragte Fred weiter. „Das dauert ungefähr 10 Wochen“, erklärte Papa geduldig. Fred sah seinen klugen Papa wissbegierig an. Papa wusste so viel und konnte ihm so viele Dinge erklären. Für ihn war sein Papa der beste Lehrer der Welt. Mit ihm machte das Lernen richtig Spaß. Papa fuhr fort: „Den Kaulquappen wachsen bald die Vorderbeine und die Ruderschwänze bilden sich zurück. Irgendwann sind die dann gar nicht mehr zu sehen.“ „Das möchte ich unbedingt sehen“, meinte Fred, während seine Augen die zappelnden Tierchen verfolgten und jede Einzelheit erforschten. Wir können ja immer wieder mal schauen, wie sie sich verändern“, schlug Papa vor. „Aber jetzt solltest du sie erstmal in Ruhe lassen, damit sie sich weiterentwickeln können.“ Die beiden saßen an diesem Morgen noch eine ganze Weile auf dem Steg in der Frühlingssonne und beobachteten versonnen die Wasseroberfläche. Sie atmeten tief die saubere Frühlingsluft ein und lauschten dem Gezwitscher der Vögel, die anfingen sich in den hohen Bäumen des verwilderten Gartens ihre Nester zu bauen.               

 

© Margarete Reinberger

 

Idee:

Male Fred und Papa in Oma Friedas Garten. Vielleicht hast du ja auch Lust, dich im Internet genauer über die Entstehung des Frosches zu informieren. Erklärungen findest du z.B. auf der Seite www.fragfinn.de oder www.blindekuh.de. Sei ein Tierforscher. Male und beschreibe, was du herausgefunden hast und schicke mir dein Bild, damit auch andere Kinder sehen können, wie sich ein Frosch entwickelt. Viel Spaß dabei!  

 

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Svenja (4b)

 

Bilder zu Kapitel 14


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