Fred und Carlotta - 25. Kapitel

Wir leben Schule - bunt und vielfältig

25. Kapitel

Herr Grimmig hat Angst

In Freds Straße wohnte auch Herr Grimmig mit seiner Frau. In Wirklichkeit hieß er natürlich nicht so, aber die Kinder hatten ihm schon vor langer Zeit diesen Namen gegeben, weil er immer so grimmig guckte und überhaupt gar keinen Spaß verstand.

Herr Grimmig hatte einen ganz gleichförmigen Tagesablauf. Morgens frühstückte er ausgiebig mit seiner Frau. Danach las er die Zeitung von vorne bis hinten durch und wenn er sie durchgelesen hatte, nahm er sich seine Harke und harkte in aller Ruhe jeden Meter seines gepflegten Gartens. Sogar den Randstreifen vor seinem Grundstück harkte er Tag für Tag fein säuberlich. So kam es, dass es bei ihm immer sehr ordentlich aussah. Allerdings durfte diese Ordnung auch durch niemanden gestört werden.

Fred erinnerte sich, wie er als kleiner Junge auf der schrägen Einfahrt des Nachbarn mit seinem Laufrad fahren wollte und dieser sofort aus dem Haus gekommen war, um ihn dafür auszuschimpfen. Auch wenn die Kinder nebenan zu laut waren, fuchtelte Herr Grimmig wild mit seiner Harke herum und brüllte: „Ruhe hier. Das hält ja kein Mensch aus. Dieser Lärm.“ So hatte sich Herr Grimmig seinen Ruf als ewig mürrischer Zeitgenosse selbst erarbeitet und Kinder und Eltern machten inzwischen lieber einen Bogen um ihn herum, anstatt ihm zu nahe zu kommen und womöglich versehentlich einen Fuß auf seinen fein säuberlich geharkten Randstreifen zu setzen.

Was keiner wusste: In dieser Zeit, in der das Virus durch die Welt wanderte, hatte Herr Grimmig eine wahnsinnige Angst. Er hatte Angst, weil er sowieso schon alt und krank war. Er hatte Angst, dass ihn dieses Virus erwischen würde. Denn in seiner Fantasie war ihm klar, dass, wenn er krank würde, er das ganz bestimmt nicht überleben würde.  

Ja, so war Herr Grimmig. Er stellte sich immer die schrecklichste Variante vor, die es geben konnte. Zuversicht gab es in seinem Leben nicht. Positives Denken und einfache Lebensfreude kannte er nicht. Er hatte sich daran gewöhnt, das Leben schwer zu nehmen und von seiner Meinung konnte ihn selbst seine Frau, die eher still und unscheinbar an seiner Seite lebte, nicht abbringen.

An diesem Morgen waren zwei Jugendliche, die immer die Werbung in den Briefkästen verteilten, in der Straße unterwegs. Herr Grimmig schaute grimmig hinter den Gardinen seines Wohnzimmerfensters auf die fast menschenleere Straße. Fred war an diesem Morgen gerade mit den Mülleimern zu den Containern gelaufen und war dort auf die beiden Zeitungsboten getroffen. Voller Freude mal wieder jemanden zu treffen, hatten sich die drei eine Weile unterhalten. Das musste Herr Grimmig hinter seinem Fenster gesehen haben. Und er hatte ja im Fernsehen verfolgt, dass es polizeilich verboten war, sich mit mehr als zwei Leuten zu treffen. „Das ist doch ein Unding“, dachte er sich. „Diese Kinder haben keine Ahnung, was sie damit anrichten. Ich werde noch Corona bekommen wegen diesen uneinsichtigen Blagen.“ Wutschnaubend und mit klopfendem Herzen hatte er hektisch die Nummer des Ordnungsamtes rausgesucht und dieses verständigt.

Als die Leute vom Ordnungsamt wenige Zeit später bei Fred und seinem Papa ankamen, waren die Zeitungsboten natürlich schon längst weiter gezogen. Freundlich erinnerten die Leute vom Amt Fred daran, dass es nicht erlaubt sei mit mehr als zwei Personen zusammenzustehen und dass der Abstand von 2 Metern immer eingehalten werden solle.

Als Fred seinem Papa die Sache erklärte, meinte der kopfschüttelnd: „Es gibt schon selbst ernannte Polizisten. Aber lass uns trotzdem vorsichtig sein, Fred. Wir wollen ja nicht schuld daran sein, wenn sich das Virus verbreitet.“ „Aber Herr Grimmig hätte doch sagen können, dass er das nicht gut findet“, meinte Fred jetzt verletzt über dieses Verhalten des unzufriedenen Nachbarn. „Schau mal, Fred, ich befürchte, unser Nachbar hat vermutlich so große Angst, dass er sich nicht mal mehr bis auf die Straße traut. Er konnte sich also gar nicht anders helfen, als das Ordnungsamt zu verständigen.“ Fred dachte nach. Tatsächlich war ihm schon aufgefallen, dass man Herrn Grimmig seit den letzten vier Wochen nicht mehr in seinem Garten harken sah. Und irgendwie tat ihm der Mann nun schon leid. Aber wie war einem solch grimmigen Zeitgenossen zu helfen?

 

© Margarete Reinberger

 

Idee:

Für manche Menschen ist diese Zeit schwerer zu ertragen als für andere. Es ist ganz normal, dass der eine ängstlicher und der andere mutiger ist. Der eine hat mehr Hoffnung, der andere mehr Zweifel… Wir sind eben unterschiedlich und das ist grundsätzlich gut so. Aber vielleicht hast du ja Tipps, wie du dir selbst Mut machst und wie man anderen Menschen Mut machen kann? Was hilft dir, wenn du Angst hast? Mir zum Beispiel hilft es dann laut ein fröhliches Lied zu singen… Aber es gibt bestimmt noch ganz andere Tricks. Erzähle uns davon!    

Du kannst aber auch gerne ein Bild zu diesem Kapitel malen und es mir schicken.

 

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