Fred und Carlotta - 39. Kapitel

Wir leben Schule - bunt und vielfältig

39. Kapitel

Was Kinder brauchen

Carlotta saß auf dem Fußboden in ihrem Kinderzimmer. Um sie herum lagen allerhand Zeitschriften und aufgeschlagene Zeitungen sowie ein großes Stück einer Tapetenrolle, die von den letzten Renovierungsarbeiten im Haus übrig geblieben war. Sie schien die Zeitungen eifrig zu studieren. Zwischenzeitlich schnitt sie hier und dort ein Bild, ein Wort oder ganze Überschriften aus. Mama wunderte sich, dass sie von ihrer Großen mal wieder nichts zu Gesicht bekam und schaute jetzt durch ihre Zimmertür, um zu sehen, ob mit Carlotta alles in Ordnung war. „Hallo Carlotta, was machst du denn da?“, fragte sie als sie Carlotta inmitten der ganzen Zeitungen sitzen sah.

„Ich will ein Plakat machen“, antwortete Carlotta ohne von ihrer Arbeit aufzusehen. „Ist das eine eurer Schulaufgaben?“, fragte Mama. Sie hatte nichts von einem Plakat gelesen, aber sie hatte die Aufgaben auch nur sehr kurz überflogen und sie dann an Carlotta weitergereicht, die mit der Erledigung ihrer Aufgaben eigentlich schon immer sehr selbständig und verlässlich gewesen war. „Nein, nein“, erwiderte Carlotta, „das hier habe ich mir selbst ausgedacht.“ „Aha“, Mama kam interessiert näher und warf einen Blick auf das angefangene Werk. „Und was wird das, wenn ich fragen darf?“, forschte sie interessiert nach. „Das wird eine Collage über die Kinder auf der ganzen Welt“, erklärte Carlotta, wobei sie weiter in den Zeitungen blätterte und sich nicht davon abhalten ließ, ihr Werk fortzusetzen. Mama schaute ihr über die Schulter. Da sah sie ein Bild von einem Kind, das vor einem abgesperrten Kinderspielplatz stand und sehnsüchtig in Richtung Kletterturm blickte. An anderer Stelle sah sie spanische Kinder, die fröhlich die Straße hinunterrannten. Daneben hatte Carlotta eine Schlagzeile geklebt: ‚Spanische Kinder freuen sich über die neue Freiheit nach wochenlanger Ausgangsspeere‘. Wieder auf einem anderen Bild sah sie ein farbiges Kind, dass mit seiner Mutter offenbar an einer Essensausgabe stand. Der Satz ‚In Zeiten der Corona-Krise sind in Afrika immer mehr Menschen auf Lebensmittelspenden angewiesen‘, klebte neben dem Bild. Wieder an einer anderen Stelle hatte Carlotta ein chinesisches Kind mit Maske aufgeklebt. Mama staunte nicht schlecht, was ihre Tochter da schon alles zusammengetragen hatte. Auch ein Bild von italienischen Kindern, die das Regenbogenbild als Zeichen ihrer Verbundenheit in die Fenster geklebt hatten, fehlte nicht in Carlottas Sammlung. Offenbar hatte Carlotta inzwischen Bilder von Kindern von nahezu allen Kontinenten der Erde zusammengetragen. Sie hatte ganze Arbeit geleistet: Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien, Australien und natürlich besonders viele aus Europa, denn Deutschland gehörte ja zu Europa und in den Zeitungen fanden sich derzeit sehr viele Berichte über Deutschland und die Länder in der näheren Nachbarschaft. Mama war ganz verblüfft von der kreativen Idee ihrer Großen. „Was hast du denn mit dem Plakat vor, wenn du es fertig hast?“, fragte Mama nun. „Ich will es über meinen Schreibtisch hängen, damit ich sehe, dass wir Kinder auf der ganzen Welt dieselben Sorgen haben“, erklärte Carlotta ihrer Mama. „Aha“, entgegnete Mama und schluckte. Der Anblick der Kinder, die durch die Corona-Krise so viele Einschränkungen auf sich nehmen mussten, stimmte sie traurig. Nachdenklich setzte sie sich auf Carlottas Bett. Dann kam ihr eine Idee: „Carlotta, wie wäre es, wenn du zu diesem Plakat noch ein zweites Plakat machst, auf das du malst und schreibst, was die Kinder dieser Welt deiner Meinung nach brauchen.“ Das Plakat hängen wir dann neben dieses, damit wir nicht vergessen, was für Kinder wichtig ist und was es auch unbedingt wieder geben soll, wenn die Wissenschaftler endlich einen Impfstoff gegen dieses Virus entwickelt haben.

Carlotta fand den Vorschlag ihrer Mama super. Sie legte Schere und Kleber zur Seite und nahm ihre Buntstifte. Dann fing sie an ein selbst gemaltes Plakat zu gestalten, was sie mit großen bunten Buchstaben beschriftete. Christian rief aus seinem Zimmer nach Mama und sie ging, um zu sehen, was er von ihr wollte. Als sie eine ganze Weile später wiederkam, staunte sie über Carlottas Einfälle. Da stand in großen leuchtenden Buchstaben:

Kinder brauchen Kinder zum Spielen.

Kinder brauchen Freunde.

Kinder wollen umarmt werden.

Kinder wollen auf Spielplätzen spielen.

Kinder wollen miteinander toben.

Dazu hatte Carlotta Kinder gemalt, die Arm in Arm die Straße hinuntergingen. Sie hatte eine Gruppe von Mädchen gemalt, die tuschelnd beieinanderstanden und sich lachend was erzählten und fußballspielende Kinder auf einem Bolzplatz hatte sie auch nicht vergessen… Bei diesem Bild hatte sie sehr an Fred gedacht, der doch so gerne Fußball spielte. Das würde ihm bestimmt sehr fehlen.

„Das ist ja ein richtig tolles Plakat geworden“, lobte Mama Carlotta. „Das hängen wir, wenn du es fertig hast, über deinen Schreibtisch, damit du nicht vergisst, dass wir das irgendwann alles wieder so haben werden. Die Corona-Zeit wird vorbeigehen. Das ist sicher.“ Mama strich Carlotta über das Haar und Carlotta sah dankbar zu ihrer Mama hoch: „Danke, Mama, dass du mir hilfst, daran zu glauben.“ Mama lächelte.   

 

© Margarete Reinberger

 

Idee:

Fertige doch auch mal ein Plakat an, auf dem du darstellst, was Kinder deiner Meinung nach brauchen.

Oder schaue dir mal eine Weltkarte an und suche die Kontinente auf der Karte. Wie viele Kontinente findest du?

Natürlich kannst du auch ein Bild von Carlotta malen, wie sie auf dem Fußboden ihres Kinderzimmers sitzt und an ihrer Collage bastelt. Ich freue mich auf deine Einsendung zu diesem Kapitel.

 

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Johannes (2b) und Charlotte (3b)


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